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Sommerausstellung 2020
Künstler der Galerie

gezeigt werden Bilder von: Friedel Anderson, Hans-Joachim Billib, Stefan Bräuniger, Anne Françoise Couloumy, Ulrich Gater, Ursula Jüngst, Christopher Lehmpfuhl, Celso Martínez Naves, Harry Meyer, Gabi Streile, Gabriele Vallentin, und Susanne Zuehlke

Laufzeit: 12.08.2020 – 09.09.2020

Galerie Meier Freiburg, Gerberau 4, 79098 Freiburg

"still life" - Stillleben

Wir zeigen eine Auswahl an Stillleben von: Stefan Bircheneder, Anne Carnein, Menno Fahl, Marion Eichmann, Pavel Feinstein, Matthias Garff, Kathrin Landa, Christopher Lehmpfuhl, Harry Meyer, Isabelle Roth, Dorothea Schrade, Bernd Schwarting und Patricia Waller

Laufzeit 04.09. bis 26.09.2020

Galerie Tobias Schrade, Auf der Insel 2, 89073 Ulm

Land erleben

Einsichten und Ausblicke in Oberpfälzer Landschaften

schwandorf 3x2

Laufzeit: 13. Sept. bis 25. Okt. 2020

Oberpfälzer Künstlerhaus, Schwandorf

Beteiligte Künstler: Miriam Ferstl, Harry Meyer, Nico Sawatzki und Olaf Unverzart, Herbert Mollwitz, Ludwig Steininger, Otto Baumann, Hannes Weikert, Alfons Bauer, Gisela Conrad, Ruthild Langhammer, Josef Georg Miller, Rupert Preissl, Rudolf Koller, Bernhard Maria Fuchs, Heinrich Glas, Peter Lang, Susanne Neumann, Thomas Rauh,

Kopf II, 1998-2020, Öl, Kasein auf Leinwand, 20 x 18 cm
  • ausstellung - titel: Große Ostallgäuer Kunstausstellung
  • ausstellung - jahr: 2021
  • ausstellung - termin: 28.10. - 10.01.2021
  • ausstellung-veranstalter: Stadt Marktoberdorf / Künstlerhaus Marktoberdorf
  • ausstellung - info: Johann-Georg Fischer Kunstpreis der Stadt Marktoberdorf 2020
    Harry Meyer wird mit dem Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis 2020 ausgezeichnet
    Im Oktober 2020 wurde mein kleinformatiges Bild „KOPF“ – entstanden 1998/2020, 20 x 18 cm, Öl / Kasein auf Leinwand – mit dem Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis der Stadt Marktoberdorf ausgezeichnet. Es handelt sich hierbei um einen Kunstpreis, der bereits seit 1978 in regelmäßigen Abständen von der Stadt Marktoberdorf vergeben wird; als Erinnerung an den berühmten Rokoko-Baumeister und Sohn der Stadt.
    Künstlerhaus Marktoberdorf
    Ausstellungsdauer: 28.10.2020 - 10.01.2021
  • ausstellung-zusatzinfo: Laudatio von Maya Heckelmann M. A., Direktorin des Künstlerhauses Marktoberdorf - Museum für zeitgenössische Kunst
    Den diesjährigen Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis der Stadt Marktoberdorf erhält HarryMeyer aus Stadtbergen für sein Gemälde„Kopf II“ 1998-2020, Öl, Kasein auf Leinwand, 20 x 18 cm. Harry Meyers Bilder sind eine Manifestation materialisierter Farbe und zugleich vollkommen transitorisch. Aus einem Konglomerat wulstartiger Farbaufträge schält sich ein Kopf, der sich unter dem Blick des Betrachters weiter zu entwickeln scheint. Die Köpfe bilden sich quasi eigenständig aus dem Farbauftrag und entwickeln sich zu Gebilden. Es sind keine Abbilder, sondern sie generieren sich rein aus der Farbe, die durch den direkten Auftrag zur Form selbst wird. Es sind expressive Bilder, die eine Urkraft, eine nur dem Bild selbst innewohnende Energie heraufzubeschwören scheinen. Wir können mit den Augen die Furchen und Spuren verfolgen, die derPinsel hinterlassen hat und die der Farbe unendliche Möglichkeiten eröffnen,durch Licht und Reflektion die ihr eigene Qualität zu zeigen. Vor unseren Augen entfaltet sich eine Eigendynamik, die ihre Unmittelbarkeitbewahrt und dem Betrachter das stete Werden und Vergehen aller Dinge bewußtwerden lässt. Anlässlich der Überreichung des Helen –Abbott –Förderpreises im Jahre 2001 stellte Meyer im Hinblick auf seine Landschaftsgemälde fest: „Die meinen Bildern zugrundegelegte Intention ist jedoch nicht die Imitation einer erschauten Wirklichkeit, sondern die konsequente Wegführung von dort zu einer - Akzentuierung des rein Wesentlichen, zu einer Sichtbarmachung naturhafter energetischer Prozesse, letztendlich zu einer Sichtbarmachung der Idee des Lebens selbst.« (H.M.) Meyers Köpfe sind Köpfe, keine Gesichter, aus diesem Grund markieren sie das Flüchtige eines Augenblicks, wo wir Gesichtern begegnen, ohne dass sich deren Eigenheiten konkretisieren. Wer kann sich schon an die Menschen erinnern, die gemeinsam mit uns an der Supermarktkasse warten oder die vielen Gesichter, die uns in belebten Straßen entgegen kommen, für einen kurzen Moment aufleuchten und sich dann wieder in der Menge verlieren? Wir erinnern uns an Gesichter, wenn sie sich an Ereignisse koppeln -und dieses kleine Bild ist ein Ereignis–ein malerisches Ereignis. Deshalb wird dieser Kopf zu einer Seherfahrung. Ohne dass uns der Maler individuelleGesichtszüge anbietet, öffnen seine Köpfe uns den Blick in die Tiefen des Urmenschlichen und sind zugleich abstrakter Ausdruck eines malerischen Experimentierfeldes. Farbe gestaltet sich erst im Zusammenwirken mit anderen Farben. In den Werken Meyersbehauptet sie immer ihre Authentizität. Während wir nach dem Wesen des Bildes forschen und uns über seine Form Gedanken machen, ist es eigentlich reine Farbe, die nichtsbeschreibt und nichts darstellt. Dieser kleine Kopf wird durch hautfarbene Wirbel bestimmt, die mit klarem Orange, Rot und Blau und ein wenig Grün kontrastiert werden. Leonardo da Vinci hat durch Beobachtungen und vermutlich auch durch die Kenntnisse altniederländischer Kunst in einem seiner Traktate festgehalten, das sein dunklerHintergrund die Farbe nach vorne treten lässt und Gesichter so besonders plastisch wirken.
    Harry Meyer hat diesen Effekt durch die reliefartig aufgetragenen Farbtöne verstärkt.Sie treffen aufeinander, vermischen sich, bilden fast schon eruptive Verwerfungen und behalten dennoch ihre Eigenständigkeit. Für den Künstler ist genau dieses Zusammenwirken der Farbmaterie und die unterschiedlichen Wirkungen, die sich durch deren verschiedene Kombinationen erzielen lassen, sein künstlerisches Interesse. Er hat nach einer handwerklichen Ausbildung zunächst Architektur studiert. Vielleichtleugnen aus diesem Grund seine Bilder niemals ihren handwerklichen Ursprung. Sie sind grundsätzlich tektonisch aufgebaut, aber zugleich organisch und beschwören die energetischen Kräfte der Natur. Ab 1993 widmet sich Meyer ganz der Malerei und bildet sich unter anderem während eines Meisterkurses bei dem amerikanischen Maler und Assemblagekünstler Frank Stella weiter - auch Stellas Werke bewegen sich gerne zwischen Malerei und Objektkunst. Die stets in Serien oder Tableaus gearbeiteten „Köpfe“ beginnt Meyer 1992. In den Jahren 1993 und 1998 entstehen Tableaus von jeweils 16 Köpfen, von 1995 bis 2001 weitere Serien. Das 1998 entstandene Tableau hat Meyer in einer 36-stündigen Tag-und Nachtarbeit auf einmal erstellt. Es sind Arbeiten, die höchst konzentriert entstehen. Er arbeitet grundsätzlich sehr zügig. Denn es muss schnell gearbeitet werden, will er die Unmittelbarkeit erhalten, die entsteht, wenn er Öl und Kasein miteinander auf Leinwand aufträgt. Unser Kopf stammt aus der Serie von 1998 und wurde 2020 überarbeitet. Harry Meyer thematisiert in seinem „Kopf II“ die vermeintlich führende Stellung der Malerei und negiert sie gleichermaßen, weil die Eigenständigkeit der Farbe als Bildmaterial bestehen bleibt und das Bild letztendlich zum Relief wird. Diese besondere Form der Bearbeitung läßt die Komposition zwischen Figuration und Ungegenständlichkeit schweben. Das hat die Jury als besonderes Qualitätsmerkmal überzeugt, den Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis 2020 an Harry Meyer zu vergeben.

    Johann Georg Fischer
    Johann Georg Fischer (*1673 in Oberdorf im Allgäu; † 1747 in Füssen), war zugleich Steinmetz und Baumeister, Architekt, Freskenmaler und Stuckateur. Lange stand er im Schatten seines berühmten Onkels Johann Jakob Herkomer (1652–1717), als dessen Polier er zunächst arbeitete. Herkomer hatte seine Ausbildung bei dem Augsburger Maler Johann Georg Knappich absolviert und reiste anschließend nach Italien, um einige Jahre für die Patrizierfamilie Collalto in Belluno und Venedig zu arbeiten.Herkomers maßvoller, zugleich universell einsetzbarer Formenkanon, den er an seinen Neffen und Schüler Fischer weitergab, eröffnete ihm die Möglichkeit, mit geringem Aufwand größtmögliche Wirkung zu erzielen. Die Praktikabilität seines Systems bewirkte schließlich auch die weite Verbreitung in Schwaben und Tirol durch die so bezeichnete „Füssener Schule“. Neben der Kapelle in Sameister gelten vor allem das Kloster und die Kirche St. Mang in Füssen als wesentliche Werke Herkomers, des Weiteren der Umbau der St.-Moritz-Kirche und die Barockisierung der Hl.-Kreuz-Kirche in Augsburg. Ab 1716 erbaute er die Klosterkirche der Benediktinerabtei Fultenbach (diese wurde im Rahmen der Säkularisation 1803 aufgehoben, die Kirche schließlich 1811 abgebrochen).Nach Herkomers Tod im Jahr 1717 konnte Fischer auch mit eigenen architektonischen Ideen und Arbeiten auftreten. In Innsbruck zum Beispiel musste er für den Neubau von St. Jakob zwar die bereits vorhandenen Fundamente übernehmen, änderte jedoch die Pläne entscheidend ab. Sein Bau wurde richtungsweisend für die Tiroler Barockarchitektur.Wichtige Arbeiten von Johann Georg Fischer: Neubau von St. Jakob in Innsbruck, Neues Waldburg-Zeil’sches Schloss in Kißlegg, Fürstbischöfliches Schloss in Marktoberdorf, Stifts- und Schlosskirche St. Katharina und Franziskus in Wolfegg (jetzt Pfarrkirche), Pfarrkirche St. Gallus und Ulrich in Kißlegg, Klosterkirche Mariä Himmelfahrt des Franziskanerinnenklosters in Dillingen an der Donau, Pfarrkirche St. Pankratius in Sulzschneid, Choraltar für den Eichstätter Dom, Marmorepitaph für Bischof Johann Christoph von Freyberg in der Wolfgangkapelle des Augsburger Doms.
Ausstellungsansicht, Kinesis, Bode-Galerie
  • ausstellung - titel: Kinesis
  • ausstellung - jahr: 2021
  • ausstellung - termin: 2021
  • ausstellung-veranstalter: Bode-Galerie Nürnberg
  • ausstellung - info: Kinesis – Die Wesenheit der Bewegung
    Einzelausstellung
  • ausstellung-zusatzinfo: „Mit meinem Blau male ich Sterne … Aus gleichem Stoff … alles … verwandelt … in Licht in Finsternis …“ (Rose Ausländer)
    „Kinesis“ nennt Harry Meyer seine jüngsten, seit 2020 entstandenen Ölgemälde – ein Terminus, der nicht auf Anhieb geläufig sein mag. Was also bedeutet „Kinesis“? Der Begriff stammt aus dem Alt-Griechischen und heißt „Bewegung“; philosophiehistorisch ist er hauptsächlich im Bezugsrahmen der aristotelischen Physik und Metaphysik sowie deren Auslegung verortet. Der Beweis für die Bewegung als solche wird durch deren Wahrnehmung erbracht – ganz einfach: es gibt sie, als Phänomen. Weit weniger klar ist, was sie eigentlich „ist“ – im aristotelischen Sinne definiert ist Bewegung insbesondere diejenige, welche als eine Veränderung von Form und Stoff gefasst wird. Bewegt oder verändert werden Substanzen, Quantitäten, Qualitäten und der Ort.
    Bewegen und „bewegt werden“; verändert „werden“; aktiv und passiv – Komplexität scheint auf, simple Erklärungsmuster – offensichtlich Fehlanzeige.
    Der Betrachter wendet sich, Antwort erheischend, an Harry Meyers Bilder. Zunächst jedoch tauchen noch mehr Fragen auf, allen voran: Warum ist alle Bewegung blau?
    Das Blau ist die häufigste Farbe, es beherrscht die Gemälde in all seinen Tönungen und Schattierungen: blauschwarz, blaugrau, blaugrün, blaugolden, hellblau, dunkelblau. Die beiden letztgenannten Bezeichnungen sind wichtig, indem sie mit „hell“ bzw. „dunkel“ auf das „Licht“ verweisen, welches einen wesentlichen Bestimmungsfaktor der Kunst Harry Meyers ausmacht. Das Licht spielt mit und auf seinen Farbflächen, schattiert, modelliert, formt – genau: Bewegung! Die Vertiefung der Bildbetrachtung – wobei die Konnotation der „Tiefe“ hier keineswegs willkürlich ist – führt die Gedanken über das „bewegte Blau“ zu denjenigen Phänomenen der Natur, die am eindrücklichsten mit Blau in Verbindung stehen (und im Übrigen seit Anbeginn seines künstlerischen Schaffens Gegenstand der Auseinandersetzung Harry Meyers mit der Phänomenologie der Natur sind): Wasser, Meer, Himmel. Die Mannigfaltigkeit möglicher Bewegung und Bewegungsarten überwältigt. Erkennbar werden Strömungen, Wirbel, Strudel, Turbulenzen; es strömt, fließt und strahlt mit geballter Energie und Kraft – und dies gilt gleichermaßen für das Wasser wie für das Licht. „Kinesis“ eröffnet Einsichten und innere Bedeutungs-Zusammenhänge: Licht-Strahl und Wasser-Strahl; strömendes Wasser und Licht, das sich im Verströmen seiner selbst zeigt; Wasser-Wirbel und Wirbel-Sturm, aber auch ein Lichter-Meer und Lichtreflexionen im Wasser – „Kinesis“ bewegt den Betrachter, hält Sinne und Geist buchstäblich „am Laufen“.
    Und genau hier und jetzt ist Einhalt zu gebieten – dem Lauf, der immer weiter geht, potentiell immer schneller wird, zu schnell möglicherweise, und infolgedessen nicht mehr kontrollierbar, nicht mehr berechenbar ist.
    Von Wirbeln und Turbulenzen war vorhin die Rede; man denkt an ein vom rasenden Sturm aufgewühltes Meer, Wellenberge türmen sich, Konturen und Begrenzungen lösen sich auf. Auch wenn der den tobenden Elementen, der Bewegung in ihrer quasi maßlosen Übersteigerung, ausgesetzte Mensch vernünftigerweise weiß, dass dies ein zeitlich begrenztes Phänomen ist und ein Ende nehmen wird, so ergreift ihn dennoch im akuten Geschehen, im Ereignis der äußeren Turbulenz, eine ebensolche innere, ein Aufruhr der Seele, eine Unruhe, die ihr Gegenteil erstrebt. Ein bestimmter Bestandteil der Geistesgeschichte der „Kinesis“ wird bedeutsam: Am Beginn des Denkens findet sich, neben anderem, eine Betrachtung aller Dinge hinsichtlich des Zustandes ihrer Bewegung bzw. Bewegtheit, gefasst in die Zweiheit von Bewegung und Ruhe, wobei das eine jeweils die Abwesenheit des Anderen bedeutet und umgekehrt. Die aristotelische Philosophie, in ihrer Auseinandersetzung mit der „Kinesis“ und ihrem Gegenteil, dem Stillstand („Stasis“), kommt zu der Erkenntnis, dass – vereinfacht zusammengefasst – beide zwar Gegensätze seien, aber nur gemeinsam als Ursprung der Natur gelten könnten und in ihrem Zusammenwirken essentiell bestimmten, was Natur von allen Artefakten unterscheide: Natur wandelt sich, Artefakte werden von äußeren Einwirkungen verändert. Anders formuliert: was sich bewegt, zur Ruhe kommt, und erneut aus sich selbst heraus in Bewegung überzugehen vermag, lebt. Und weder eine ununterbrochene Bewegung, die zum Selbstzweck zu werden droht, noch ein passiver, seine Möglichkeiten ungenutzt lassender Stillstand, sind ideal. Das Dasein muss und kann sich nur im Wandel der Zustände von Bewegung und Nichtbewegung vollständig realisieren.
    Wurde vorhin festgestellt, dass das „wildbewegte Blau“ die „Kinesis“-Gemälde von Harry Meyer dominiert, so bestätigt uns der Künstler die oben angeführte Erkenntnis zum Wechsel und Kreislauf von „Kinesis“ und „Stasis“, gerade indem er eine Ausnahme macht: weiße „Kinesis“. Natürlich denkt der Betrachter zuerst an Schnee und Eis, an Wind und Sturm, an Verwehungen und ihre verkrusteten Strukturen, gefrorene und angehaltene „Kinesis“. Es gibt jedoch eine weitere mögliche Sichtweise: die weiße „Kinesis“ kann für die Meerwasser-Saline stehen. Das konzentrierte „weiße Gold“ des Meeres, kristallin verfestigt, und in dieser Gestalt der ultimative Gegensatz zur permanent bewegten Wasseroberfläche, dem Wellengang mit seinem Rauschen und Toben. Das Meer erscheint geradezu versteinert, zur Erstarrung gebracht, seine Bewegung im Moment äußerster Intensität festgezurrt – wenn auch nur auf einem begrenzten und fest umrissenen Terrain. Die Salinen-Bauern, welche es vorziehen, Salz-Gärtner genannt zu werden und ihre Arbeitsstätten als Salzgärten bezeichnen, kultivieren das Meersalz und bauen es ab. Sie tun dies sorgsam, bedächtig und langsam, voller Achtung und Respekt vor der Materialität des „weißen Goldes“ aus dem Meer. „Kinesis“ und „Stasis“ – Dualismus, keine Gegnerschaft.
    Harry Meyers „Kinesis“-Gemälde wurden im Verlaufe der vorliegenden Erörterung vornehmlich unter Zuhilfenahme von Begrifflichkeiten aus der antiken Philosophie beschrieben. Nun ist es wohl so, dass die „Welterklärungen“ der „alten Weltweisen“, wie sie des Öfteren genannt zu werden pflegen, mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften nicht mehr ohne Weiteres oder vollständig in Einklang zu bringen sind. Ist das niemandem aufgefallen? Hat man es einfach vergessen? Abgesehen davon, dass eine Art natürlicher Scheu davon abhält, solche Erkenntnisse auch nur als überholt, und schon gar nicht als falsch, zu bezeichnen – die Frage ist obsolet. Was die „alten“ Philosophen erforscht und erkannt haben, ist für uns bedeutsam, weil es uns auffängt, trägt und festhält – in einer Welt, die uns vielfach als aus den Fugen geraten begegnet. Dasselbe erfahren die Betrachter mit Harry Meyers Gemälden. Der Künstler setzt Bewegung, geistige Strömungen, in Bilder um, deren Farben, allen voran das Blau, eben diese Bewegung – wie auch ihr Gegenstück – vergegenständlichen. Die Farbe ereignet sich auf dem Bild. Harry Meyer verspricht das Blaue vom Himmel herunter und hält sein Versprechen – wahrhaftig.

    Brigitte Herpich M. A.

    Literatur:
    Kreuzer, Johann, Artikel „Licht“, in: Konersmann, Ralf (Hrsg.), Wörterbuch der philosophischen Metaphern, 2. Unveränderte Auflage, Darmstadt 2008, S. 207-224
    Westphal, Kristin, Artikel „Bewegung“, in: Günzel, Stephan (Hrsg.), Lexikon der Raumphilosophie. Unter Mitarbeit von Franziska Kümmerling, Darmstadt 2012, S. 54, 55
    Artikel „Farbe“, in: Zedler, Johann Heinrich, Großes Vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Band 9, Leipzig und Halle 1735, Spalten 223-245